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Lebhafter Austausch über nachbarschaftliches Netzwerken

Auf der Fachtagung „Teilen, Tauschen, Nachbarschaft“ in Essen diskutierten rund 100 Gäste darüber, wie Menschen in ihrer nächsten Umgebung Initiative zeigen können

Teilen, Tauschen, Nachbarschaft

(v.l.) Werner Lüttkenhorst, Erdtrud Mühlens, Hermann Zaum, Monika Lang, Michael Kuhndt, Dr. Burghard Flieger, Maik Meid.

Die Themen Nachbarschaft und Zusammenleben im Quartier sind nicht nur wichtig, sondern auch hochaktuell: Das zeigte allein schon der große Andrang, der am Donnerstagvormittag (28. September) bei der Fachtagung “Teilen, Tauschen, Nachbarschaft - Solidarisches Handeln in Bewegung” herrschte. Rund 100 Gäste diskutierten im Essener Unperfekthaus darüber, wie sich nachbarschaftliche Initiativen vernetzen lassen, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, oder wie sie sich finanzieren können. Eingeladen hatte die Paritätische Akademie NRW in Kooperation mit dem Paritätischen NRW und der Paritätischen Geldberatung. Die Veranstaltung wurde mit Mitteln der GlücksSpirale unterstützt.

Referentinnen und Referenten waren aus ganz Deutschland angereist, um in vier Workshops über ihre Themen und Projekte zu sprechen, Fragen zu beantworten und mit den Gästen in die Debatte einzusteigen. Zunächst machte Hermann Zaum, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW, deutlich, wie wichtig ein gutes nachbarschaftliches Zusammenleben für das soziale Gefüge im ganzen Land ist.

„Dort, wo Begegnung stattfindet, wo geteilt, kommuniziert und getauscht wird, da wird eine Basis geschaffen für sozialen Zusammenhalt. Menschen, die sich einbringen, stärken auch unsere Demokratie – wie wichtig heute – und stärken ein Zusammenleben nach den Grundsätzen ‚Toleranz, Offenheit, Vielfalt‘“, sagte Zaum. Der Paritätische NRW unterstütze Menschen, die ihr soziales Anliegen selbst in die Hand nehmen und die Initiative ergreifen, was letztlich nicht nur ihnen selbst, sondern der Gemeinschaft zu Gute kommt.

Michael Kuhndt vom Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production

(CSCP) aus Wuppertal eröffnete die Impulsvorträge mit dem Thema „Von der Vision zum gemeinschaftlichen Handeln im Quartier“. Das CSCP mit seinen 60 Teammitgliedern agiere als Netzwerker, Ideensucher, Impulsgeber und Veränderer. Es gelte, so Kuhndt, die Menschen im Quartier und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Erdtrud Mühlens aus Hamburg stellte das Netzwerk Nachbarschaft vor, das seit 2004 online ist und „auf sozial-emotionaler Ebene“ agiert. „Wir wollen erreichen, dass Menschen sich treffen, aktiv sind und sich nicht in Passivität ergeben. Wir wollen auf kreative, bewegende Art auch diejenigen mitnehmen, die sich ausgegrenzt und abgehängt fühlen“, sagte Mühlens, die erklärte, wie das Netzwerk Nachbarschaft mit großem ehrenamtlichen Einsatz Aktivitäten wie zum Beispiel Ideenbörsen fördert.

Der Workshop zum Thema “Geeignete Gründungsform Genossenschaft?” von Petra Gräff (StadtteilGenossenschaft Vogelsang, Köln) und Dr. Burghard Flieger (innova eG, Freiburg) wurde von den Besucherinnen und Besuchern genutzt, um intensiv konkrete Fragen an die Vortragenden zu stellen. Laut Dr. Flieger biete sie sich immer besonders dann an, wenn man Eigenkapital einbringen wolle. Petra Gräff schätzt die Rechtsform Genossenschaft als risikoarm, sie böte einen guten Schutz für Ehrenamtler. 

Die Öcher Frönnde setzen auf Gemeinschaft. “Der Mensch soll nicht allein zuhause sein. Sein soziales Netzwerk muss ausgebaut werden”, sagte Monika Lang von dem Aachener Verein. Er ermutigt zur Selbsthilfe, fördert die Gesundheitsprävention und ermöglicht soziale Kontakte, “die unter anderem der Demenz vorbeugen”, so Monika Lang. Mitglieder des Vereins geben und empfangen Hilfe über ein Stundenkonto - ohne regelmäßige Verpflichtung. Vor allem ältere Menschen profitierten, wenn ihnen bei der Blumenpflege und beim Einkaufen geholfen oder einfach geplaudert wird.

Wie man Helfer gewinnt und wie sie bei der Stange bleiben ist für viele ehrenamtliche Initiativen eine Kernfrage. “Wir regen an, professionelle Quartiersmanager einzuführen, die mit einem offenen Ohr durchs Viertel gehen und Ideen umsetzen. Sie brauchen einen Motor”, sagte Gabriele Kamp vom Nachbarschaftsheim Wuppertal. Das ehrenamtliche Potenzial sei begrenzt, ein Problem für Initiativen.

Dort setzt das Crowdfunding an. Für dieses Thema sprach der freiberufliche Fundraiser und Berater Maik Meid auf der Fachtagung. Auch dieser Workshop war sehr nachgefragt. Meid erklärte die Grundlagen und stellte klar, dass Initiativen das Potenzial von Crowdfunding unbedingt nutzen sollten, egal, ob kleine oder große Projekte in Gang gebracht werden

sollen. Aus dem Plenum kam ebenfalls die Nachfrage, ob eine eigene Crowdfunding-Plattform der Wohlfahrtsverbände möglich wäre. Eine der vielen Ideen, die die Teilnehmenden auf der Fachtagung “Teilen, Tauschen, Nachbarschaft” eingebracht und mitgenommen haben.

Nun gilt es, diese Ideen festzuhalten, zu verstetigen und weiterzuentwickeln - ein Ziel, dass ich die Veranstalter vorab gesetzt hatten. “Die Fachtagung war auch für uns eine Art Versuchsballon. Wir wollten die Menschen kennenlernen, die im Quartier aktiv sind, und schauen, welche Möglichkeiten es gibt, sich zu vernetzen. Das ist uns gelungen. Nun wollen wir weiterdenken und versuchen, den einen oder anderen Input zu realisieren”, sagte Moderator Werner Lüttkenhorst, Fachgruppenleiter Arbeit, Armut, soziale Hilfen, Europa vom Paritätischen NRW.

Fotos: Stefan Kuhn

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